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Gesandter aus Äthiopien informiert sich in Großwallstadt

Digitalisierung nach Vorbild des deutschen Rechtssystems – Gerichte und Anwälte in Äthiopien sollen schneller werden

Großwallstadt, 20. September 2017 – In dieser Woche hatte die Geschäftsleitung von ReNoStar in Großwallstadt hohen Besuch. Der äthiopische Gesandte und Anwalt Dilnesaw Israel Chinasho, Teamleiter in der Rechtsabteilung des Premierministers, war hier am Untermain, um mit dem erfolgreichen Unternehmen mögliche Projekte im Bereich Softwarekonzepte für Rechtsanwälte zu besprechen.

Geschäftsführer Marco Buhleier mit Gesandtem aus Äthiopien

Nach Aussage des Gesandten unterscheiden sich die Rechtssysteme der föderal strukturierten Länder Äthiopien und Deutschland generell nur wenig. In beiden Ländern gibt es mehrzügige Rechtswege und unterschiedliche Zuständigkeiten der Gerichte. Woran es jedoch mangelt, ist die Effizienz der Abwicklung von Rechtsfällen vor Gericht, bedingt durch die geringe Anzahl von Anwälten, die Existenz von Gesetzen aus völlig unterschiedlichen Regierungssystemen und die mangelnde Eindeutigkeit und Transparenz der Gesetze. So gibt es bis heute eine Vielzahl von Rechtsvorschriften aus verschiedenen Epochen der historischen Landesentwicklung, die nicht in einheitlichen kodifizierten Gesetzeswerken konsolidiert sind. Das erschwert Richtern und Rechtsanwälten die Arbeit, weil im Einzelfall recherchiert werden muss, welche Vorschriften zur Anwendung kommen und warum.

Letztlich ist dies einer der Gründe, warum es im Land hohe Arbeitsrückstände bei der Abwicklung von Rechtsfällen gibt. Deren Abwicklung soll generell effizienter werden. Die äthiopische Regierung besteht auf Transparenz und Zugang zum Recht für alle.

ReNoStar engagiert sich für die Verbesserung des Zugangs der Allgemeinheit zur Justiz durch Unterstützung beim Aufbau eines sicheren elektronischen Dokumenten- und Rechtsverkehrs. Im Rahmen des Projekts werden Studenten, Anwälte und Gerichte im Umgang mit diesen innovativen Systemen geschult.

Ein weiteres Projekt mit ReNoStar wird wohl eine Gesetzesdatenbank zum Ziel haben. „Es geht darum, vorhandene Gesetzesvorschriften in Äthiopien zusammenzuführen, zu digitalisieren und damit recherchierbar zu machen“, erklärt Marco Buhleier, Geschäftsführer der ReNoStar GmbH. „Im nächsten Schritt möchten die Verantwortlichen dann mithilfe dieser Datenbank darangehen überflüssige, widersprüchliche oder überalterte Vorschriften zu entfernen. Parallel werden auch Urteile in eine Datenbank überführt, um diese später recherchierbar und zitierfähig zu machen.“

Eine weitere Herausforderung in Äthiopien ist die Effizienzsteigerung im Anwaltsstand. Einige Zahlen zeigen den Bedarf: In Äthiopien leben etwa 100 Mio. Einwohner, die Zugriff auf rund 3.000 Rechtsanwälte haben. In Deutschland gibt es für 80 Mio. Einwohner 79.000 Anwaltsbetriebe.

Moderne elektronische Kommunikation anstelle der Brief-Kommunikation ist das Ziel, um die Korrespondenz zwischen Anwälten, Mandanten und Gerichten zu beschleunigen und zu vereinfachen. Da in Deutschland derzeit der elektronische Rechtsverkehr aufgebaut wird, kann ReNoStar auch an dieser Stelle Erfahrungen und technische Lösungen anbieten, die letztlich nur übersetzt und angepasst werden müssen. In Äthiopien gibt es unter 80 anderen Sprachen die Amtssprache Amharisch, neben der im professionellen Umfeld jedoch auch Englisch weit verbreitet ist.

„Wir freuen uns über den Kontakt zu ReNoStar, denn wir legen großen Wert darauf, von so genannten ‚Best Practices‘ – also erfolgreichen Lösungen und Erfahrungen – zu profitieren und diese nach Äthiopien zu übertragen“, so Dilnesaw Israel Chinasho.

Letztlich unterstreicht ReNoStar mit der geplanten Kooperation über die Grenzen unseres Kontinents hinweg seine Fokussierung auf die fortschreitende Digitalisierung des Anwaltsmarktes. „Es ist ein Ziel, unseren Kunden stets bestmögliche praxiserprobte Konzepte bereitzustellen, um ihnen die Organisation und den Alltag in der Kanzlei weitestgehend zu vereinfachen und zu optimieren“, so Marco Buhleier abschließend.